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5 Pilger Erkenntnisse

1) Pilgern verleiht Flügel und Wurzeln zugleich
Jeder Schritt ist ein Schritt zu mir selbst. Jeder zusätzliche Schritt sorgt für noch mehr Verankerung. Insofern scheint das Pilgern womöglich doch ein religiöser Akt zu sein?! Weil religere bedeutet „sorgsam beachten“ und religare „wieder verbinden dessen, was getrennt war“. Man tritt in Kontakt mit seiner inneren Haltung, in der eine große Offenheit und Achtsamkeit besteht. Gleichzeitig hat mich diese Verbundenheit durch das Pilgern wiederum beflügelt (ohne Energy Drink versteht sich), Leichtigkeit eingeflößt, die einen förmlich fliegen lässt.
 
2) Das größte Risiko im Leben ist es kein Risiko einzugehen
Ich versuche mein Leben zu einem Abenteuer zu gestalten, um Facetten und Tiefen meiner Selbst zu erfahren, die ich nicht gekannt hatte. Diese Sphären erfährt man allerdings nur dann, wenn man sich aufmacht, auf abenteuerliche Expeditionen. Oder zumindest versucht diese Reisen aufzusuchen. Wer sich in den Gluteus Maximus tritt oder seinem Leben hingibt und zumindest das Risiko aufsucht, hat das Leben ansatzweise verstanden. Und mal ganz ehrlich unter uns: „Was haben wir eigentlich zu verlieren?” Sich aufzugeben bzw. sein Leben aufzugeben, zu verdrängen und am Sterbebett festzustellen, dass man seinem Innersten entsprechend nicht gelebt hat - well, das würde mich definitiv anzipfn.
 
3) WAHRGEBEN vs. WAHRNEHMEN
Ob es die absolute Wahrheit gibt? Ich würde mir nicht anmaßen zu behaupten, dass ich „Frau Absolute Wahrheit“ kennenlernen durfte. Aber ich sehe einige Parallelen zu „Herrn Wahrheit“, den man im Moment wahr- nehmen kann, also wenn man die begegnende Wahrheit so nimmt, wie sie ist. Wobei... wenn man die Wahrheit "wahr- gibt", handelt es sich ebenso um die Wahrheit – nur ist diese die abgelehnte Version. Auf gut Deutsch: Wir finden immer die Wahrheit in ihrer reinsten Form vor, ob wir sie allerdings wahrhaben wollen, ist eine andere Frage. Die Verbindung zu unserem Kern ist eben zumeist nicht ausgeprägt genug in der nicht zwingend fördernden Komplexitätsmaschine Großstadt. Beim Pilgern ist dies ein Kinderspiel, weil nicht die Gefahr einer Reizüberflutung besteht, stattdessen hat der Mensch wieder die Möglichkeit, leichter Mensch zu sein.
Zu Beginn der Reise war ich einer von den Zeigefinger- Zeigern, die die Wahrheit nicht angenommen haben, statt einer Wahrnehmung hat eine „Wahrgebung“ quasi stattgefunden. Doch je mehr Tage ich in die Welt des Pilgerns eintauchte, desto mehr lebe ich im Moment und nehme die Knieschmerzen, die schimmligen Unterkünfte, die 140db Schnarcher, das Wetter so hin wie es ist. Natürlich versuche ich meine Schmerzen zu behandeln, mein Bett gemütlich zu organisieren, mit Oropax für Ohren- Frieden zu sorgen oder dem Wetter entsprechend Kleidung anzulegen, aber nicht mehr und nicht weniger. Habe ich ein Problem, so versuchte ich es zu lösen. Kann ich es nicht lösen, so nehme ich es hin wie es ist.

4) Das Innerste nach außen stülpen
Natürlich habe ich einige Momente in der Vorbereitung gehabt, die mich Zweifeln haben lassen, ob ich dieses Projekt tatsächlich stemmen kann. Immerhin warten 3000km auf mich. Crazy 3000 Kilometer!!! Jeder Schritt ein Schritt ins Ungewisse. Jeder Kilometer eine schlaflose Nacht mehr.
Bis dato war ich primär als Assistent tätig, ob im Theater, beim Fotografieren oder beim Fernsehen. Assistent des Regisseurs. Doch nun hatte ich das Gefühl, dass es Zeit geworden ist, eigene Projekte zu realisieren. Einen Schritt aus dem Schattendasein zu tun.
Wenn ich Freunden, Bekannten oder Verwandten von meiner Pilgerreise erzählt habe, haben einige gelacht, andere wiederum mich ermutigt und gesagt: „Das ist ein typisches Merkinger Projekt! Gut so!”
Am Weg in den Süden wird mir immer wieder mehr klar, dass es wichtig ist, das Verinnerlichte zu veräußerlichen! Sein reines Wesen Tag für Tag konsequent zu leben und sich durch sein Umfeld nicht auf Abwege bringen zu lassen. Natürlich ist es von großer Wichtigkeit, auf AndersDenkende zu stoßen und für Kritik empfänglich zu sein, aber unterm Strich ist es wichtig, seinen Weg zu gehen, auch wenn er noch so idiotisch dem Mainstream erscheinen mag.
 
5) Einmal Träumer, immer Träumer.
Es schlummert in jedem „Menschengfrast“ der Traum eines erfüllten Lebens, soweit trau ich mich aus dem Fenster lehnen - auch ohne wissenschaftlichen Beweis oder einem Abschluss an der Sigmund Freud Uni. Bei der einen Lebenskünstlerin ist dieser Traum mehr, beim anderen Couch- Potato weniger ausgeprägt. Wenn dieser Traum so schmackhaft zum Wunsch mutiert, dann gibt es kein zurück mehr. Dieser „Wunsch der Wünscher“ malt sich selbst eine Vision aus und dann braucht´s früher oder später den Beschluss, seinen Traum in die Tat umzusetzen. Wenn wir uns auf Abenteuer einlassen, die Lebendigkeit des Lebens aufsuchen, in dem wir inspirierende Orte und Personen aufsuchen, die seelenlandschaftlich ähnliches vorhaben, dann gibt es erst recht kein zurück mehr. Dann kann man sich diesem Leben nur mehr hingeben.
 
Im Ernst,
Ernst

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