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gregorJETZT - Interview mit dem Weltenwanderer

Das ist der offizielle Start einer Interviewserie mit inspirierenden Persönlichkeiten aus verschiedensten Bereichen! - Und wer würde sich dafür besser anbieten als der großartige Mensch & Weltenwanderer Gregor Sieböck?!

· interviewJETZT

Das besondere an Gregor Sieböck ist, dass er kein Träumer, sondern ein Macher ist. Ein Macher, der durch sein Tun nicht nur Tausende mit seinen Büchern bzw. Vorträgen inspiriert hat, sondern v.a. einen Weg für seine Nächsten geebnet hat, der vorher nicht in dieser Form erkennbar war. Er ist ein Vorreiter oder besser gesagt ein „Vorgeher“ der Pilgerkultur, bevor Harpe Kerkeling überhaupt in die erste Pilgertoilette gepinkelt hat. - Herzlich Willkommen Gregor Sieböck!

ERNST Wer hat Dich vor Deinen Wanderschaften inspiriert, motiviert aufzubrechen bzw. überhaupt auf die Idee gebracht sich dem Hatschen zu widmen?

GREGOR Mein Großvater war Schuhmachermeister. Er ist Zeit seines Lebens viel gegangen; mit über 70 Jahren hat er noch ganz Österreich zu Fuß durchquert. Das hat mir bereits als Kind gezeigt, dass man zu Fuß weit kommt. Dann bin ich auch zu Fuß in die Volksschule gegangen, drei Kilometer hin, drei zurück. Das hat meine Basiskondition und Ausdauer für mein ganzes Leben gestärkt.

Mit 14 Jahren bin ich mit meiner Mutter den ganzen Nord-Süd Weitwanderweg durch Österreich erwandert und in Eibiswald, am Ende der Tour, beim Gasthof Simperl, dem Sehnsuchtswirt, lag ein Buch von anderen Wanderern auf, und da las ich von einem Herrn Mayrhofer (seinen Vornamen hab ich mir nicht gemerkt); er hat von einer Wanderung berichtet, die ihn von Istanbul bis zum Nordkap geführt hat. Er hatte sein Zelt dabei und ist jeden Tag ca. 50 Kilometer gewandert: das hat meiner Vorstellungskraft Flügel verliehen, als Jugendlicher habe ich bereits erkannt, was alles möglich ist. Als ich dann mit 18 Jahren Professor Knoflacher von der TU Wien kennengelernt habe, hat dieser von den Autos erzählt, von unserem Land, das wegen der vielen Straßen zubetoniert wird und meinte es wäre genial wenn wir unsere Verantwortung in Bezug auf Mobilität wahrnehmen. Dort habe ich dann entschieden keinen Führerschein zu machen. Dadurch bin ich dann auch später in meiner Jugend die Alltagswege zu Fuß gegangen. Das zu Fuß gehen wurde also Teil meines Lebens!

Nach meinem Studium aus Wirtschafts- und Umweltwissenschaften war die Frage wie ich mich engagieren kann, dass wir Menschen erkennen, dass wir ein Teil der Erde sind und daraus eine Verantwortung erwächst. Als der Weltgipfel in Johannesburg stattfand und die Politiker der Erde dort nichts zum Wohle der Welt entschieden war ich gerade mit Freunden aus Südafrika in Österreich unterwegs. Als wir auf den Dachstein stiegen erzählte mir Mike von einem seiner Freunde, der die Küste Südafrikas abgewandert ist und in Schulen Vorträge hielt, um die Kinder zu einem ökologischen Leben zu inspirieren. Da erkannte ich, dass im Wandern eine große Kraft liegt, dass ich mit dem Gehen eine Botschaft in die Welt hinaustragen kann und so entschied ich mich am Gipfel des Dachsteins spontan rund um die Erde zu gehen...

ERNST Du bist mittlerweile viele, viele Jahre als Vortragender unterwegs und hast über 2.000 Auftritte gehabt. - Was hat sich im Vergleich von früher zu heute für dich verändert?

GREGOR Das Bewusstsein der Menschen ändert sich, ich sehe da einen tiefgreifenden Wandel. Dieser Wandel wird in den Mainstream Medien noch nicht thematisiert, das heißt wer Zeitung liest oder fernsieht bekommt da ein völlig verzerrtes Bild, als ob alles verloren wäre. Doch in Wirklichkeit passiert sehr viel. Ich merke das bei den Vorträgen, ich kann heute viel mehr sagen, die Themen zu einem bewussten, verantwortungsvollen Leben, viel direkter ansprechen als vor 13 Jahren als ich damit begann – die Menschen sind bereit. Vor allem in Österreich – das ist ein großes Geschenk. In Deutschland und in der Schweiz ist es anders, da geht noch bei weitem nicht soviel wie in Österreich – oder vielleicht sollte ich mich klarer ausdrücken, in Teilen des Ostens von Deutschland gib es auch ein sehr starkes Bewusstsein der Veränderung und des Wandeln, das ist mit Österreich vergleichbar, im Rest von Deutschland eher nur sehr vereinzelt (aber immerhin!). Wenn ich da vorne vor dem Publikum stehe spüre ich die Stimmung im Saal direkt, ich mache auch nie einen Vortrag gleich wie einen anderen, ich stimme mich auf das Publikum ein und gestalte den Vortrag entsprechend, je nachdem wie weit sie mitgehen. Dadurch habe ich ein sehr klares Bild über diesen Bewusstseinswandel, weil ich diesen als Vortragender direkt spüre!

ERNST Welche prägenden BeGEHgnungen haben dich zu dem Menschen werden lassen, der du heute bist?

GREGOR Ich hatte drei folgenschwere Begegnungen; zuerst als Jugendlicher mit dem Dalai Lama in Graz. Er mich durch seine Lebensfreude und sein Lachen inspiriert und ich habe erkannt, dass es im Leben darum geht in Freude zu sein, zu machen was mir Freude bereitet und diese Freude zu teilen. Die zweite Begegnung war mit Douglas Tompkins auf meiner großen Weltenwanderung in Chile. Er hat im Alter von 45 Jahren seinen ganzen Besitz verkauft, um mit dem Geld Land in Patagonien zu erwerben, und dann daraus Nationalparks zu schaffen. Sein Fokus war immer die Schönheit, die Dinge möglichst schön zu gestalten, denn alles was wir schön gestalten lieben wir, und alles was wir lieben schätzen wir und achten wir! Ja und die dritte folgenschwere Begegnugn war mit Martin Weber, er ist Bewusstseinstherapeut und hierzulande vor allem wegen seinem Buch „Der Mensch im Gleichgewicht“ bekannt. Sein Zugang zur Gesundheit, zum Leben allgemein ist die Ursachen und Zusammenhänge zu erkennen und die Veränderung an der Wurzel anzupacken. Das hat einen neuen Blick auf die Gesundheit geworfen – seither nehme ich meine Gesundheit eigenverantwortlich in die Hand und gebe sie nicht einem Arzt ab: das schafft eine große Freiheit! Und auch was die Umweltthemen anbelangt so gehe ich dort an die Wurzel und beschäftige mich nicht mit Symptombekämpfung. Was ist die wirkliche Ursache hinter unserer Umwelt- und Bewusstseinskrise? Definitiv nicht das CO². Warum ist das Klima jetzt so wie es ist? Warum ist die Umweltkrise so ausgeprägt? Weil viele Menschen vergessen haben dass wir ein Teil der Erde sind, dass wir diesen uneingeschränkten Glauben an das Wirtschaftswachstum haben und dass wir einfach glauben was uns die Medien vorkauen und was uns die Propaganda weismachen will ohne mal auf unser Gefühl zu hören und diesem zu folgen. Die innere Stimme ist anfangs leise, doch sie ist für mich der wichtigste Wegweiser in meinem Leben!

ERNST Du warst ja zu Zeiten unterwegs wie Harpe Kerkeling noch nicht seinen Bestseller „Ich bin dann mal weg“ publiziert hatte. - Wie hat sich deines Erachtens das Pilgern die letzten Jahre verändert?

GREGOR Es gehen viel mehr Menschen als damals als ich 2003 nach Japan los gewandert bin. Das ist für mich auch ein Zeichen für den Bewusstseinswandel, ich finde das genial, dass so viele Menschen gehen und pilgern!

ERNST Wie kann man sich den 12 jährigen Gregor Sieböck vorstellen? War dieser schon damals ein Geher? Ein Macher? Ein Einzelgänger?

GREGOR Wie vorher bereits erwähnt - ich bin damals schon sehr viel gegangen und ja ich war eher ein Einzelgänger, weil ich als Einzelkind aufgewachsen bin, inmitten von Feldern. Da gab es wenige Freunde in meinem Alter und so habe ich mich meist einfach mit mir beschäftigt. Ich habe viel gelesen und war viel in der Natur. Meine Freunde wurden die uralten Bäume – sie haben mich immer schon inspiriert!

ERNST Für mich persönlich bist du Mr. Patagonia. - Jedesmal, wenn wir beide uns treffen, sprechen wir über Patagonien und jedesmal beginnen deine Augen wegen des Feuerlandes zu leuchten. - Warum Patagonien? Und warum nicht Mistelbach?

GREGOR Weil Patagonien eines der letzten Wildnisgebiete der Erde ist und ich es liebe in diese Wildnis zu gehen. Ich genieße es in den Urwäldern vor den riesigen Bäumen zu stehen, ich erfreue mich wenn ich an einem Fluss sitzen kann der nicht verbaut ist sondern ganz frei fließen kann und ich liebe die riesigen Gletscher, sie haben ein ganz anderes Zeitbewusstsein als wir Menschen, sie existieren schon seit tausenden von Jahren und sie zeigen mir dass unsere schnelllebige Zeit ein Illusion ist bei der ich nicht mehr mitmache!
Und doch ist es auch Mistelbach, ich liebe Österreich. Es ist ein wundervolles Land und ich bin sehr dankbar, dass ich hier leben darf. Meine große Vision ist es, dass wir in Österreich in ein paar Jahren 100% Biolandbau haben und wir aufhören unsere Erde mit chemischen Spritzmitteln zu vergiften und die zweite große Vision ist es, dass Österreich nach dem Königreich Bhutan das zweite Land der Erde wird, das das Bruttoglücksprodukt als Fortschrittsindikator anwendet – anstatt den Fortschritt nur in Wirtschaftswachstum zu messen und die Zerstörung der Natur und der sozialen Strukturen nicht Rechnung trägt. Das Bruttoglücksprodukt rechnet all dies ein; es geht um das Glücklichsein auf allen Ebenen: für Menschen, Tiere und die ganze Erde! Was für ein wunderbarer Indikator für Fortschritt und Wachstum!

ERNST Was ist dein „Warum“ was treibt dich an, was ist die Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch deine Projekte zieht?

GREGOR Die Liebe zu Erde und all‘ seinen Wesen! - Und die Verbundenheit mit dem Kosmos!

ERNST Wird es irgendwann einen Gregor Sieböck & Ernst Merkinger- Vortrag geben? - Ich kann dir zumindest garantieren, dass ich zu diesem kommen würde…

GREGOR Ja, das wäre doch mal genial….lass uns das machen!

GREGOR SIEBÖCK

  • Baujahr 1976
  • Zivildienst in einem Straßenkinderprojekt in Ecuador
  • Studium der Wirtschaftswissenschaften in Österreich, den USA und Kuba. Studium der Umweltwissenschaften in Schweden
  • Projektassistent für das Schwedische Energieministerium, UNDP und Global Environment Facility (GEF) über erneuerbare Energiequellen und Energieeffizienz
  • Seit 2003 WELTENwanderer, Pilger und Patagonien - Fan   
  • Bücher bzw. seine Homepage-> KLICK
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