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Ich bin dann mal E-Biken

· In Between

Ich bin dann mal (ausnahmsweise) E-Biken. Genauer gesagt für zwei Tage in der Steiermark. Am ersten Tag geht´s von Bad Radkersburg nach Leibnitz und am nächsten von Leibnitz nach Deutschlandsberg, aber lesen Sie am Besten selbst...

TAG 1
Nach einer bewegenden Friedenskundgebung in Wien von über 35.000 Teilnehmern der Fridays For Future Bewegung, die sich für mehr Klima Gerechtigkeit einsetzen, ging’s für mich zügig weiter - mit‘n Zug nach Bad Radkersburg.

Buschenschank "Markowitsch"

4 Stunden später bin ich ziemlich glückselig und voller Vorfreude - auf zwei Tage E-Biken - am Bahnhof angekommen. Dort haben mich zwei grinsende Damen in Empfang genommen - Anna & Kerstin. Die Beiden haben mich auf ein, zwei Glaserl Muskateller, eine zünftige Buschenschank- Brettljausn und eine Buchtl als Draufgabe verführt/entführt. Genau genommen zum Buschenschank „Markowitsch“ - I mean... wer kann da schon „Nein“ sagen?! - Also ich nicht. In einer sehr entspannten Atmosphäre briefen sie mich, was wir denn die nächsten Tage so vorhaben und ich erzähle ihnen tief berührt von der Fridays for Future Bewegung bzw. alte Pilgergeschichten.

Damit mir Anna morgen nicht um die Ohren fährt, entschuldige ich mich und dreh vernünftig, wie ich manchmal auch sein kann, in meinem Zimmer des Hotels Toscania um Punkt 23:00 Uhr das Licht ab.
Gute Nacht Steiermark, ich freu mich auf morgen!

TAG 2
Dieses Motto „Du sollst Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler“ gelingt mir ja prinzipiell normalerweise ganz gut, außer ich bin in der Steiermark unterwegs, wie ich auf der Waage feststellen hab müssen. Im Bundesland Österreichs, das insbesondere bekannt ist für seine Weine, Heilquellen, und Burgen, esse ich eben IMMER wie ein Kaiser. - Gibt’s doch immer was Gutes zum Essen.

Rathaus von Bad Radkersburg

Um 9 Uhr geht’s für Anna und mich mit unseren E-Bikes mit dem „Turbo- Modus“ Richtung Stadtzentrum von Bad Radkersburg. Dort erzählt mir Anna, dass die Murgasse deswegen Murgasse heißt, weil der Boden ausnahmslos mit Steinen aus der Mur gepflastert worden ist, gibt mir einen Überblick über die Geschichte der Thermenstadt, dessen Brunnen am Hauptplatz die Form der Stadtmauer einnimmt, und fährt mit mir die Mur flussaufwärts, dem schnellsten Fluss Europas und Protagonisten des Weges. Stets entlang der Markierung „R2“ vom Murradweg, fahren wir an idyllischen Dörfern, vorbei an Feldern und Aulandschaften… und kleinen und großen Betrieben vom grünen Gold der Steiermark.

Pflasterboden von der Murgasse

Einer dieser Betriebe ist der Genuss Bauernhof „Bäcksteffl“. Dort erwartet uns die erste steirische Käferbohnen-Königin und Chefin des Hauses - Summer Michaela. Die stolze Mutter von zwei Kindern erzählt uns von ihren selbstproduzierten Produkten. Von Käferbohnen-Schokoladetafeln - an dieser Stelle sei angemerkt, dass ich noch am selben Abend eine kleine und eine große Tafel genüsslich verputzt habe und leider vergessen habe, was denn im konkreten drinnen war - bis hin zu Käferbohnen-Aufstriche (Südsteirischer Käferbohnen-Isabella- bzw. Bohnella-Käferbohnen-Walnuss- Aufstrich) und auch Kürbiskern-Produkte gibt’s in ihrem Hofladen zu erwerben. Ich kann Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ausnahmslos alle Produkte, die ich in Klammer gesetzt habe wärmstens empfehlen - v.a. „Bohnella“. Halleluja, das stellt jedes Nutella in den Schatten. V.a. taugt mir der Aspekt, dass keine Haselnüsse, sondern Walnüsse - ich bin glücklicher Haselnuss-Allergiker - drinnen sind.

Michaela Summer- die Käferbohnen-Königin

Von dort geht’s in die Pedale tretend unter der Mithilfe von etwas E-Bike-Strom zur historischen Kleinstadt Mureck, wo eine Kolonne an Oldtimern im „E-Bike-Tempo“ an mir vorbeifahren. Klarerweise muss ich in diesem Falle mein iPhone zücken und die Schlitten festhalten. Vor dem Rathaus steht ein kleines Modell der Murecker Schiffsmühle, die unsere nächste Station darstellt. Die liebevoll gepflegte Schiffsmühle war immer wieder vom Hochwasser zerstört worden, doch dem zum Trotz hat der Besitzer immer wieder von neu begonnen und schließlich unter Mithilfe des Statikers der Grazer Murinsel, keine Zerstörungen mehr erfahren müssen. Nicht direkt beim Wasser gibt’s typisch, steirische Kost. Ich hab mich für eine Forelle mit Spargel und Käferbohnensalat bzw. Topfenknödel mit einer Zotter-Nougatfüllung und einem Gupf Eis inklusive Schlagobers entschieden. - Wie´s mir geschmeckt hat? Himmlisch!

Oldtimer vor dem Rathaus in Mureck

Anna und ich sind Genießer bzw. würde ich uns in die Kategorie „E-Bike-Bummler“ einordnen, das auf Kosten von Sandra, die uns schon sehnsüchtig im Schloss Seggau erwartet. Dort angekommen, spring ich schnell unter die Dusche und fahr mit ihr und ihrem Mini- Cooper (Baujahr 1991) vorbei an Weinstraßen, pompösen Buschenschänken und auf den Parkplätzen stehenden SUVs Richtung Herzerlstraße. - Beurteilen Sie folgendes Foto am Besten selbst, aber ich meine zu glauben, dass ich noch nie in meinem Leben ein so kitschiges Foto geknipst oder gar online gestellt habe, but as mentioned before, beurteilen Sie’s doch am besten selbst. - Aber gut… meine Schwester würde sagen: „Ein bisschen Kitsch hat noch keinem geschadet.“

Die Herzerlstraße - kitschiger geht´s nimma

Den Abend lass ich nach einem guten Abendessen (Gebackenes Gemüse & Spinattscherl) in der Schlosstaverne Seggau ausklingen.

TAG 3
8:00 Uhr. Etwas Verschlafen stapfe ich in den Speisesaal des Schlosses, wo schon einige Mitwirkende des U-21-Judoka-Weltcup-Turniers in Leibnitz brav Frühstücken. Es dauert nicht lange - spricht mich eine junge Dame an, ob ich denn der Ernst sei, der von Wien nach Marrakesch gegangen ist. „Ja, der bin ich!“ Sie setzt sich zu mir am Tisch, ich schiebe die Zeitung "Die Presse" auf die Seite und plaudere mit ihr über Gott und die Steiermark.

Schloss Seggau

9:00 Uhr. Pünktlich wie ein „Steireruhrwerk“ wartet mein heutiger Guide, Sandra, mit ihrem Ferrari unter den E-Bikes bei der Rezeption. „Puh“, denk ich mir „da werd ich wohl schwer mithalten können mit meinem Pensi-E-Bike. - Aber gut - es kommt nicht immer auf die Schnelligkeit draufan.

Im Windschatten von Sandra cruise ich abwechselnd im „Turbo- & ECO- Modus“ vorbei an duftenden Hollerstauden, Tannen, die den Duft der Ätherischenöle mit uns teilen und der Sulm. Die Sulm ist ein 29 Kilometer langer rechter Fluss der Mur in der Südsteiermark.

Sandra umgeben von Terpenen & Hollerstauden

Sandra - bald 40 und Ex-Veranstalterin der Tour de Mur - und ich gehen die heutige Tagesetappe von Leibnitz bis nach Deutschlandsberg mit 52 Kilometern, 249 Höhenmetern und in etwa 4,5h Fahrzeit gemütlich an. Wir sind ja hier nicht bei der Tour de France. Etwas früher als geplant kommen wir gegen 11:25 Uhr beim Karpfenwirt in St.Martin im Sulmtal an. Nachdem das Wetter so kongenial mitspielt, setzen wir uns, obwohl das liebevoll eingerichtete Restaurant zum Niedersetzen einlädt, in den Garten und bestellen - Überraschung! - ein steirisches Karpfenfilet vom Rost mit frischem Spargel, Sauce Hollandaise und Heurigen-Petersilienkartoffeln. Kurz und stolz erzählt uns der Inhaber des Hauses bzw. Junior-Chef Karl Krenn, dass sein Familienbetrieb sein über 80 jähriges Bestehen feiert. - „Wen wundert´s… wenn der Karpfen so irre gut ist“, denk ich mir. Ich favorisiere normalerweise eher ein Stückerl Zander, aber dieser Karpfen war ein Gedicht. - Und die Nachspeise? - Ja, die Nachspeise war auch himmlisch. Creme Brulee mit Erdbeer-Rhabarbersauce.

Mahlzeit!

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Burg Deutschlandsberg, das u.a. ein Hotel, ein Burgmuseum namens "Archeo Norico“ mit 8 permanenten Ausstellungen, über 5.000 Exponaten und eine wunderschöne Aussicht vom Burgturm aus vorzuweisen hat, geht’s schnurstracks zum Bahnhof, dass ich meinen Zug nicht versäume.

Und somit hat - Richtig! - das Radl-Wochenende in der Steiermark leider schon wieder sein Ende gefunden. Nach einem etwas verregneten „Weitwander-Opening“ vor zwei Wochen, zeigte sich die Südsteiermark, als auch das Thermen- & Vulkanland von seiner schönsten Seite. Fast fetzblauer Himmel, ergiebige Gaumenfreuden beim Buschenschank Markovich, beim Karpfenwirtn oder Schmankerl bei der Käferbohnen- Königin, schöne Fotomotive (z.B. Anna & Kerstin bzw. die Herzerlstraße), einige Terpene, die ich wieder über die Wälder aufgenommen habe, und, und, und…in der Steiermark wird GENUSS groß geschrieben… trifft sich gut, weil ich bin ja auch so ein Genussspecht.

Vom Bahnhof Deutschlandsberg geht´s wieder retour nach Wien.

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