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Is it all about the money?

Ich meine zu glauben, dass mich Freunde und Familienmitglieder als Lebenskünstler wahrnehmen. Ich hab' kein Problem damit, aber zu glauben, dass dies automatisch bedeutet, finanzielle Mittel auszuklammern - der irrt. Ich habe ja genauso den Traum, und der ist größer als alles andere, eine Familie zu gründen oder ein gemütliches Zuhause zu haben oder mich meinem Patenkind zur Hochzeit gegenüber großzügig zu erweisen in Form von keinen gefakten 200 Euro Scheinen oder meiner Mami ein marokkanisches , fair produziertes, biologisches Seidentuch mitzunehmen. Dies alles darf passieren und muss nicht. Das Einzige, zu dem ich mich verpflichtet fühle, ist meine Künstlerseele aufzuwecken und wahrzunehmen, also die Wahrheit so zu nehmen wie sie ist, dass wir das Jahr 2017 schreiben und ein kapitalistisches System vorfinden, das Träumern das Träumen nicht einfach macht, aber eben nicht unbezwingbar. Und deswegen zwinge ich den Ernstl zu vertrauen und mit weisem Vorausblick, dass ich vielleicht einst Auftritte bei Barbara Karlich oder Willkommen Österreich habe, mit einem Tesla anreise und mit 14 Sponsoren- Pickerl auf meiner Brust auf die Bühnen stolpere?!

In meiner Vorbereitungsphase von Ende Jänner bis Anfang Juni hatte ich Tag für Tag die Hosen voll. Ich war arbeitslos. Jeder, der einmal arbeitslos war, weiß, dass es sich in den Anfängen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen oder Arbeitsfreiheit anfühlt, aber umso länger die Phase der Ungewissheit dauert, umso unerträglicher wird es. Freunde und Verwandte fragen gefühlte 100.000 Mal: „Hast du schon einen neuen Job in Aussicht?“ oder „Was machst du eigentlich die ganze Zeit?“ oder, wenn man bei einer Party gefragt wird: „Und was arbeitest du so?“ fühlt sich das an als würde man in eine Zitrone beißen, weil man eh schon einen angeknacksten Selbstwert- Status hat. Obendrein hatte ich in dieser Zeit dieses nicht zu ernstzunehmende ernstinische Herzensprojekt angedacht, das größer ist als alle meine bisherigen Projekte bis dato, weil eben mein Herzblut und nicht das eines anderen drinnen fließt. Um die Angst nicht zu potenzieren, wurden nur Auserwählte über mein Vorhaben eingeweiht. Meine Eltern beispielsweise erfuhren erst einen Tag vor Abreise von dieser verrückten Reise. Im Rückblick eine richtige Entscheidung.

Eine weitere Challenge war es, an Sponsoren heranzutreten und ihnen etwas zu VERKAUFEN, obwohl es nichts zu verkaufen gab. Gut, ich habe beim Theater, Fernsehen gearbeitet, einem Fotografen assistiert und für ein online Magazin bzw. das Radio gearbeitet, 300 Followers, einen tollen Vornamen, aber das war´s dann auch schon wieder. Ich war ja, laut CV, immer Assistent – also im Schatten der Regisseure. Ich habe Floskeln in der Anwesenheit von CEOs oder beim Antreffen von Freunden verwendet, die meiner selbst nicht entsprechen, aber das passiert eben in dieser Phase der Unsicherheit, in der man etwas Größer spielt als es tatsächlich ist. Heute weiß ich, dass man ein Herzensprojekt nicht verkaufen kann, dass es mir in diesem Vorhaben viel mehr als um Geld geht, dass es nicht um Anerkennung in Form von Likes oder Followers geht - es geht mir in diesem Projekt viel mehr, um das Realisieren eines innigen Wunsches. Und wenn sie mich heute fragen, wie´s denn nachher weitergehen soll?! Ich weiß es nicht! Ich weiß es wirklich NOCH nicht. Jeder Schritt ist ein Schritt in die Ungewissheit. Und um diese Ungewissheit in unserem kapitalistischen System zu entschärfen, habe ich eine Crowdfunding Kampagne ins Leben gerufen bzw. gibt es die Möglichkeit für Sponsoren, in mich zu investieren. Klar, hoffe ich, dass sich zumindest ein Nullsummenspiel ausgeht entlang dieser Reise. Klar hoffe ich, dass sich zumindest auf jenem Projekt passierend etwas ergibt. Klar freue ich mich, wenn Medien über mich schreiben, ob es die Salzburger Nachrichten oder die NÖN oder deutsche Journalisten sind. Klar ersehne ich einen großen Sponsor, der mir Rubbel zukommen lässt.

Ich hab' aber das Gefühl, dass sich da eh etwas in Bewegung setzt. Holunder- Schnaps, Iphone 6s, Tiroler Käse, Bibeln, Geld, Zeit, usw. wurden mir geschenkt oder sogar die Tirol Werbung spendiert mir die Kosten im heiligen Land. Unbestritten schmeichelt es mir. Unbestritten habe ich auf abgespeckte Versionen dieser Form gehofft, aber dass es so kommt, musste nicht, sondern durfte so passieren. Und wie es noch kommen wird? Ich weiß es nicht. Diese Merkinger -Prognose wäre so unsicher wie die Wettervorhersage für den 22.April 2019 von Ex-Wetterfrosch Andreas Jäger oder Wetterfröschin Sonja Watzka. Es kann sein, dass ich mit Heller André einmal im Jahr in seinem Gartenparadies einen viel zu süßen Minztee mit Whisky kippe und wir uns Geschichten aus alten Tagen erzählen. Es kann aber auch sein, dass ich bei meinem Onkel, wie bereits in so manchen Sommertagen, Pferdeboxen reinige – durch letztere Tätigkeit verdiene ich wenigstens Geld. (By the way: Ich liebe Schneeschaufeln. Und Ausmisten ist wie Schneeschaufeln. Sehr, sehr kontemplativ.)

Was ich mir allerdings vom mittigsten Mittelpunkt zwischen Darm und Schädeldecke wünsche, ist, dass ich auf meiner Reise basierend weitere Projekte realisiere, die mir Freude bereiten. Nicht Spaß, sondern Freude. Träumen ist nämlich nicht sooo much fun. Träumen ist tough. Träumen bedeutete auf sein Gefühl zu hören, das nicht immer zu hören ist - durch Nebengeräusche von Mama oder seinem Freund Ismael. Aber ich will mich nicht beschweren. Diese Verunsicherungen und Ungewissheiten haben Abenteuer so an sich, dass jeder Schritt ein Schritt ins Ungewisse ist. Natürlich kann man planen und sich dem Tun hingeben, aber wie das Drehbuch ausgeht, ist dem Zuseher zum Großteil auch selbst überlassen. Ich kann mein Herzensprojekt dem Consumer nur anbieten, ob sie zu meinen Texten „China Green Pure Chun Mee“ von Julius Meinl trinken und mir begeisternd Geld transferieren oder lieber Bauer sucht Frau gucken und meine Bilder parallel dazu sich ansehen... Tja, das ist Ihnen selbst überlassen.

Alles Liebe,

Ernst

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