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„Man ist so alt wie man sich fühlt.“

Es kann nur einen Georg geben - soviel steht fest.

· Wien Marrakesch

Georg ist am Papier 72. Gelernter Schlosser, war über 23 Jahre Fernfahrer und seit ein paar Jährchen ist er Rentner. Er hat viel erlebt, das sieht man seinen „Geschichtsfalten“ an, aber diese sichtbaren Geschichten haben ihn lebendig gehalten, denn ansonsten kommt man nicht auf so eine „verrückte“ Idee von Nürnberg nach Finistere in so hohem Alter zu pilgern?!

Ein paar Tage nach dem Geburtstag seiner Frau ist er aufgebrochen – ein Gentleman wie er im Buche steht. Das Fernweh hat den Ex- Fernfahrer wieder gepackt, woraufhin seine Freunde eine Reportage über ihnen drehen wollten. Doch er wollte da nicht mitmachen. Georg will seine „Ruah“. Georg ist ein, wie wir im Mostviertel zu sagen pflegen, Mostschädl/ Sturschädl, der sein Herz auf der Zunge trägt. Der die Dinge so anspricht, wie er sie empfindet. Er war schon immer so, sagt er. Seine Art haben ihm Freunde, auf die er zählen kann, und Feinde, auf die er verzichten kann, beschert.

Seine Tochter hat ihm geraten, dass er alle 8 Tage eine Pause einlegen soll. Seine Schwester hat gemeint, er spinnt. Seine Frau hat geglaubt, dass er nach 10 Tagen abbrechen wird. Aber mittlerweile hat dieses Nürnberger Original schon über 1300 Kilometer in seinen Haxen, legt selten Pausen ein, „läuft“ bis zu 35 Kilometer pro Tag und ist immer noch nicht müde, weder im Kopf, noch in den Waden, die auch einem 26 jährigen gehören könnten – ohne Übertreibung (siehe Foto).

Nach Erfüllen seines Traumes will er unbedingt seiner Tochter beim Hausbauen helfen, geistig und körperlich fit bleiben, um keine Belastung für seine Nächsten zu werden. Dass 60jährige sich für das Schuhbänder- Zubinden niedersetzen müssen, sieht er als respektlos seinen Nächsten und seinem eigenen Körper gegenüber an. „Im Alter zumindest versuchen fit zu bleiben, ist man seinen Liebsten schuldig, weil sonst müssen jene wegen meiner vergangenen Faulheit mit ihrer wertvollen Lebenszeit aufkommen.“ Auf die Frage, wann er denn in Santiago ankommen möchte oder wann er zurück sein wird, weiß er nicht und will es auch nicht wissen – diese Freiheit braucht er für seine Pilgerreise.

Eine Hochpotenz „Inspiration“ wird unumgänglich entlang des Weges in die Adern jedes Pilgers injiziert, wenn man solche Geschichten, wie von Georg oder Damian oder Claudia oder Lisa oder Laura oder..., hört. Sie zeigen auf, dass es nie zu spät ist, um zu träumen, sich zu verändern, um sein Leben zu leben oder an so etwas wie Liebe zu glauben. Und der liebe Georg hat wieder einmal gezeigt, dass es nie zu spät ist, seine Träume zu realisieren. - Nie! Auch mit 72 Jahren nicht.

PS.: Natürlich habe ich Georg diesen Beitrag vorgelesen, ob denn die Fakten so stimmen und ob ich diesen auch in dieser Form online stellen darf. Nachdem ihm der Inhalt des Textes ein paar Male ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern hat können, hat er mir sein größtes Geheimnis anvertraut. Nach zwei Wochen Pilgern hat er in Ulm seine Tochter angerufen, dass er ernsthaft überlegt sich ein Rad zuzulegen, weil seine Füße so sehr schmerzen. "Meine Fußsohlen haben gebrannt wie Sau!" - Doch das Universum war nicht auf seiner Seite. Es war "leider Gottes" Samstag und die Geschäfte geschlossen. Und montags waren seine Füße wieder frisch und somit war die Idee ein Rad zu kaufen verflogen.

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