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Warum Pilger am Nachmittag gefälligst nicht stören sollen und wie ich zu einem luxuriösen Gästezimmer gekommen bin

Ich entschuldige mich jetzt schon wegen meinen vulgären Formulierungen in folgendem Bericht, allerdings muss ich zu meiner Verteidigung erwähnen, dass es sich hierbei um wörtliche Zitate einer Gmundnerin handelt - ich bin insofern aus´n Schneider...

Auch Pilger müssen ihr Geschäft erledigen

Am Weg von Gmunden Richtung Bad Ischl ist mir folgendes passiert:

Ich klopfe bei einer Haustür an, weil ich mein Geschäft dringend erledigen muss. Eine Pensionistin öffnet.

"Ja bitte, was kann ich für Sie tun?"

"Geschätzte Frau, darf ich ihre Toilette kurz aufsuchen? Es wäre dringend!"

"Du weckst mi vo mein Mittagsschlaferl auf, nur weil du gackn muasst?!"

*PAUSE*

Sie denkt kurz über das gesagte nach...

*PAUSE hält an*

"Andererseits gackn muass jeder! Selbst die Püger! Du bist ja a Püger, oder?!

"Ja, ich bin Pilger."

"Guat, daunn kimm hoit eina...!"

Nach dem Entleeren meines Darms legt sie mir Erdbeeren neben meinen Rucksack und erzählt mir ihre traumatischen Erlebnisse von der Nazizeit.

Auch Luxus darf im täglichen Pilgerdasein mal genossen werden

Nachdem ich spontan meine Route geändert habe, nämlich nicht von Bad Ischl meinen Ex-ServusTV Freund Manfred zu besuchen, sondern straight das Europakloster aufzusuchen, habe ich entschieden einen Tag Pause im romantischen St.Gilgen einzulegen. Ich habe eine Nacht von Donnerstag auf Freitag reserviert, doch wie ich bei der Tür Familie Friedrichs, den Besitzern des Sonnwirtstöckl, anklopfe und sie mir mit verkneiftem Blick begegnet, rechne ich mit bad News.

„Wir haben leider ihre Reservierung storniert, weil ein Gast über zwei Nächte bleiben will und deswegen haben wir ihn präferiert.“

*PAUSE*

„Wobei... vielleicht finden wir doch eine Lösung,...aber das muss ich kurz mit meinem Mann besprechen. Warten Sie bitte einen kleinen Moment!“

Sie läuft in den ersten Stock zu ihrem Mann. Freudestrahlend kommt sie mit ihm an ihrer Seite retour.

„Wir würden sie gerne einladen. Allerdings nicht in den anderen Quartieren, sondern in unserem privaten Gästezimmer. Dies alles geht auf´s Haus versteht sich!“

Aus einer anfänglichen Unterraschung wird eine Überraschung. Demütig nehme ich ihr Angebot an und greife mit meiner rechten Hand auf meinen linken Brustkorb und umarme die beiden als wären sie alte Bekannte aus vergangenen Tagen.

Das ist die Magie des Pilgerns von der ich nie müde werde zu schwärmen. Begegnungen mit Menschen, denen ich noch nie begegnet bin, mit denen ich innerhalb kürzester Zeit eine Verbindung aufbaue, die eine bedingungslose Qualität hat und für die Ewigkeit ist. Dies entfacht in mir Hoffnung, dass Menschlichkeit und Nächstenliebe nicht nur ab und an bzw. nur von dem einen oder der anderen, sondern von einer großen Schar an Manda und Mandarinen gelebt wird.

Liebe Grüße aus dem Bundesland Mozarts,

Ernst

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