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Werte Frau Mikl- Leitner,...

Enkeltaugliche Umweltpolitik vs. parteipolitische Mäntel.

„Wir fragen uns heute, wie solche sinnlosen Gemetzel wie in den beiden Weltkriegen möglich waren? Und genauso wird man sich in Zukunft einmal fragen, warum die Menschen nichts für den Umweltschutz getan und einfach weitergelebt haben." Hugo Portisch

Ich musste zu Ostern an dieses Zitat denken, als mir ein Weistracher Imker (Bezirk Amstetten) seine 5 leeren Bienenstöcke gezeigt hat. 250.000 Bienen tot. Mausetot! Daraufhin habe ich den Obmann des Weistracher Imkervereins angerufen. Dieser hat mir erzählt, dass 22 Bienenstöcke leer zurückgelassen wurden aus nicht erklärbaren Gründen.

Der Imkermeister des Bezirks Amstetten hat mir ähnliche Szenarien erzählt. Er schätzt, dass 2017 40%- 60% der Bienenvölker im Raum Amstetten verendet sind. Und noch nie zuvor in dieser angsteinflößenden Dimension. Den Ursachen sind bis dato kaum Imker auf den Grund gegangen, weil das Land NÖ keine finanziellen Unterstützungen bereit gestellt hat.

 Das wollte ich nicht wahrhaben und darauffolgend beim Mann meines Vertrauens angerufen - IM ALbert Schittenhelm. Er ist Präsident des Landesverbandes Wiens. Auf die Frage nach den Ausfällen in NÖ hat er mir folgendes Statement abgegeben: “Das Immunsystem der Bienen ist heute das gleiche, aber die Allgemeinbelastung ist eine Höhere. Es liegt in der Natur der Sache, dass 10 % der Bienenvölker den Winter nicht überleben. Von 2016 auf 2017 sind in Wien bis zu 20% der Bienenvölker (Wien setzt auf biologische Düngemittel) und >40 % in Niederösterreich verendet. Das Problem liegt nicht nur bei den eingesetzten Pestiziden, Herbiziden, den Monokulturen, sondern auch bei den Imkern selbst, die eine nicht adäquate Varroa Behandlung durchführen. Die Imker müssen ihre Strategien, was die Varroa Behandlung betrifft ändern. Anfänger kommen zumeist mit der Varroa besser klar, als die meisten „Alteingesessenen“. Bienenverluste sind aber sehr oft hausgemacht. Warum kämen sonst viele Imker jedes Jahr mit fast allen Völkern über den Winter, andere jedoch fast nie? - Zugegebener maßen gibt es da allerdings Gebietsweise Unterschiede."

 Weiters hat mir Hr. Schittenhelm empfohlen Fr. Ing. Kögelberger von der AGES zu kontaktieren. Jene Dame hat mich darauf hingewiesen, dass es keine finanzielle Unterstützung von Seiten des Landes oder Bundes gibt, um der Ursache auf die Schliche zu kommen. Sie empfiehlt ABER dennoch allen Imkern die toten Bienen nach auffinden zu fotografieren, Stuhlproben zu nehmen, Honigwaben auszuschneiden, alle Proben anschließend einzufrieren und dann mit Dr. Mayer von der AGES abklären, inwiefern eine finanziell tragbare, wissenschaftlich fundierte Aufklärung möglich ist. Fragen kostet ja bekanntermaßen nix.

Gleich vorweg - Ich will keiner Landwirtin und keinem Landwirten etwas Ankreiden, dazu fehlen mir die Fakten. Aber der zwischen Schädel und Bauchnabel seiende Schnittpunkt sagt mir: “Neonicotinoide, Glyphosat oder andere abscheuliche Mittel haben auf den Feldern nichts verloren.” Dafür brauch ich kein erleuchteter Christ, kein Greenpeace Aktivist, kein Grün- Wähler oder Verschwörungstheoretiker sein. Es ist in ländlichen Breitengraden keine Seltenheit, dass das Wort “Frieden” großgeschrieben bzw. darauf großen Wert gelegt wird. Ist auch richtig und wichtig so. ABER in jenem pathologischen “Friedenszustand” fördert dies keineswegs den Fortschritt, wenn nicht offen über derartig essentielle Themen fruchtbar diskutiert wird.

Wie Ihr ÖVP- Freund und Bürgermeister der Gemeinde Weistrach akkurat auf der Webseite schreibt: “Weistrach liegt im Herzen des Mostviertels, …. geprägt von typischen Vierkanthöfen mit landwirtschaftlichen Strukturen, umgeben von tausenden Mostobstbäumen, welche ein JUWEL unserer Kulturlandschaft darstellen.“ Ich bin mit meinem geschätzten Ex-Bürgermeister d´accord - die Mostobstbäume sind ein JUWEL. Ein Juwel ist etwas kostbares, ein Schmuckstück und mit Schmuckstücken geht man, meines Wissens, achtsam um. Achtsamkeit, die im Mostviertel spürbar abhanden gekommen ist durch die Gier nach mehr Profit, mehr Hab und Gut, die kurzfristig durch intensive Handhabung auch möglich ist, aber wie lange noch?! Aber nicht nur spürbar, sondern auch ersichtlich, wenn man an Wanderwegen spürt, dass Landwirte um jeden Millimeter beim Ackern feilschen - Zwischen Wanderweg und Ackerland sind wenige Zentimeter Trennlinie.

Wussten Sie über diese Wunder der Natur bescheid,..

dass die Bestäubung der Frühjahrsblüher (Obst) zu 95 % der Bien zu verdanken ist?

dass ein Bienenvolk im Sommer etwa 60.000 Arbeitsbienen hat?

dass eine Biene in ihrem Leben 8000 km zurücklegt?

dass um 1 kg Honig zu sammeln bis zu 10 Millionen Blüten besucht werden?

dass die Königin im Jahr etwa 200.000 Eier legt?

Weiters schreibt Ihr ÖVP Kollege: “...Weistrach ist trotz des rasch fortschreitenden Strukturwandels ein Ort mit Lebensqualität geblieben…” Doch, wenn wir das Sterben der Bienen nicht ernstnehmen und daraufhin nicht lösungsorientiert agieren, indem wir auf nachhaltige Bewirtschaftung bauen, dann mache ich mir nicht nur um meine Kinder, sondern auch um Ihre Enkelkinder Sorgen, dass sie das Mostviertel bzw. das Land Niederösterreich nicht mehr so vorfinden, wie wir es in unserer Kindheit erleben durften.

Bitte legen Sie ihren parteipolitischen Mantel ab und fragen Sie sich, ob ihr Gefühl sagt: “Ja, Ich will Fördergelder zur Aufklärung des Bienensterbens zur Verfügung stellen, enkeltaugliche Umweltpolitik in NÖ an den Tag legen, anderen Bundesländern als Vorbild dienen und GEMEINSAM anpacken (Dies war ja ein bekannter ÖVP Slogan: “Gemeinsam Leben. Gemeinsam anpacken”) oder “Ja, ich will genauso weitermachen, meine Amtsperiode ohne aufreibende Diskussionen überleben und die Weistracherinnen und Weistracher sollen in 20 Jahren mal mit Wattestäbchen die Kulturlandschaft aufrechterhalten, dann gibt´s wenigstens Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger.”

Ich freue mich auf Ihre Antwort!

In Spe,

Ernst Merkinger

P.S.: Diese Kritik ist nicht nur an Sie, nicht nur an die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher, sondern an jeden einzelnen Homo Sapiens gerichtet, der ihrer oder seiner Weisheit gerecht werden soll. Wir sitzen alle in einem Schiff, das im Moment der Titanic ähnelt, und in diesem Schiff müssen wir GEMEINSAM Verantwortung für unsere Kinder und Kindeskinder übernehmen, denn ohne Biene keine Bestäubung. Ohne Bestäubung kein Leben.

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