Da ein Hetzen zu einem wichtigen Kunden, dort im Sekunden-Takt reinkommende WhatsApp-Nachrichten von Bekannten, die sich wieder einmal auf einen Kaffee treffen wollen. Aja, stimmt! Und zur Weltweiten- Klima-Demo „Fridays for Future“ wollte ich diese Woche auch noch gehen, war ich doch bei der letzten nicht. - Oft denke ich mir, dass die Zeit schneller geworden ist, doch wie der Zeitforscher Karl Heinz Geißler in einem seiner Interviews treffend formuliert hat, trügt der Schein: „Die Zeit ist immer gleich. Nur wir Menschen stecken immer mehr hinein. Heute werden wir permanent überschüttet mit neuen Ereignissen. Die Informationsdichte wird immer größer - und das verdichtet unsere Zeit.“

Weitwandern am Lechweg, Pilgern am Camino Frances in Spanien, Spazierengehen im Pötzleinsdorferpark Wien und eine Gehmeditation von meinem Zuhause Richtung U-Bahnstation Margaretengürtel (aka „Kinhin“ ist im Zen-Buddhismus die Meditation während des Gehens) waren bzw. sind für mich wunderbare Übungen der Erinnerung, um wieder mehr Achtsamkeit in meinen Alltag zu bringen. Für mich ist’s u.a. das Erden, dem Wesentlichen und Unwesentlichen wieder mehr bewusst werden, die Entschleunigung etc., um wieder einen Hauch Sosein im Alltag zu kultivieren und integrieren. Insbesondere auf den längeren Tages-, Weitwander-Touren und Pilgerreisen hab ich es oft so erlebt, dass sich aus einem getakteten Gefühl ein Rhythmus entwickelt. Ein natürlicher Rhythmus durch kleine Veränderungen wie das „Nicht-Wecker-Stellen“, weil´s wenig Unterschied macht, ob ich um Punkt 8 Uhr oder wenige Minuten früher oder später aufstehe. Laut Zeitforscher Karl-Heinz Geißler, der keine Uhr trägt, in seinem Haushalt keine hängen hat und nur ein Festnetz-Telefon besitzt, weist darauf hin, dass wir die Naturzeit vergessen haben. Weshalb nach Geißler so viele Mensch ein Burn-Out oder einen Herzinfarkt erleiden.

Studien (z.B. eine der Pittsburgh University) beweisen, dass regelmäßiges Wandern in den Bergen das Risiko von altersbedingtem Gedächtnisverlust um 50% minimiert, die Konzentrationsfähigkeit - durch die konzentrierte Sauerstoffaufnahme - erhöht oder ähnliche Wirkungen wie ein hochpotentes Antidepressivum hat - in Anbetracht dessen, dass die WHO (Weltgesundheitsorganisation) für 2020 „Depressionen“ als die zweithäufigste Volkskrankheit prognostiziert, sollten Ärzte*innen und Therapeuten*innen offensichtlich „Gehen“ bzw. „Wandern“ verschreiben.

Ebenfalls hat mir Clemens Arvay, seines Zeichens Biologe und Bestsellerautor (Der Biophilia- Effekt: Heilung aus dem Wald) in einem Gespräch begeistert berichtet, dass so genannte sekundäre Pflanzenstoffe aus der Waldluft unser Immunsystem nachweislich ausbalancieren und sogar unsere körpereigenen Abwehrkräfte gegenüber Krebserkrankungen fördern. Zu diesen gesunden Stoffen der Natur gehören beispielsweise die Terpene der Bäume, die im Pflanzenreich als "chemische Wörter" der biologischen Kommunikation dienen. Anionen - negativ geladene Sauerstoffteilchen - aktivieren unsere Abwehrkräfte und wirken entzündungshemmend.

Wenn wir in der Natur gehen, tun wir uns unbestritten etwas Gutes. Wir entspannen, bekommen Abstand vom Alltag, schalten das Smartphone ab bzw. uns selbst ein und entdecken wieder unsere Sinne, unser Wesen, schaffen Nähe zu unserem Ursprung und sind gelöst - von der Zeit. Es entsteht ein Sein.

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