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Achtmal Kurz Weitwandern

Auf die Türen! Auf in die Natur! Es wird Zeit. Zeit, wieder Bergluft zu schnappen. Jede Jahreszeit ist Wanderzeit, aber im Frühjahr und Sommer macht´s besondere Freude über Stock und Stein mit Steinbock und Gams auf Wanderschaft zu gehen. Abgeschieden vom Stress des Alltags, rein in die Stille der Natur. Dort, wo man seinen GEHdanken leichter Raum geben kann, dort wo kein Wortwechsel, sondern gehaltvolle Dialoge passieren, dort werde ich in den Monaten Mai bis September wieder mein gepflegtes Unwesen treiben, um das zu tun, was ich am liebsten tu - über Geschichten von Menschen, die ich entlang des Weges antreffe, berichten, Kuriositäten und Landschaftseindrücke via Blog, Bergwelten Online & meinem Instagram-Kanal festhalten.

DIE ACHT HAUPTDARSTELLER

Der Kitzbüheler Alpen Trail - besser bekannt als DER "KAT WALK"

1. Etappe Hopfgarten - Kelchsau

Nach einem zeitigen Aufbruch (Wien Meidling) bin ich voller Vorfreude final um ca. 11 Uhr in Hopfgarten im Brixental nach einer gemütlichen 4h Zugfahrt angekommen. (Am Rande sei angemerkt, dass ich nur in Wörgl umsteigen hab müssen, somit im Vergleich zum Auto nur eine halbe Stunde längere Fahrzeit auf mich nehmen hab´ müssen und obendrein - ganz im Sinne der Patcha Mama - 0,06 Tonnen CO2 eingespart habe.)

Ja, es hat seinen guten Grund, dass ich den KAT-Walk ausgewählt habe - einerseits bin ich ein riesen Fan der Gegend, andererseits ist dieser in der 6.Saison seiende Weitwanderweg konzeptionell sehr ausgereift im internationalen Vergleich und andererseits erwarte ich mir sehr facettenreiche Etappen.

Bevor ich 6 Etappen, 106 Kilometer bzw. 6.350 Höhenmeter auf mich nehme, gönne ich mir eine feine Nacht im Hotel Salve - ein bissl Yoga, ein bissl Sauna und ziemlich viel und v.a. gutes Essen steht auf meiner Agenda. Die erste Etappe ist mit 17,5 Kilometern und 630 Höhenmetern perfekt um warm zu werden, sich „einzuweitwandern“ und von Ribislstaude zu Ribiselstaude diebisch zu agieren und um von Heidelbeerstaude zu Heidelbeerstaude DIE nötigen Vitamine zu sich zu nehmen. Charakteristisch für die erste Etappe sind nicht die zahlreichen Stauden, sondern vielmehr die wunderschönen, teils modernen und teils urigen Bauernhäuser, an denen man vorbeigeht.

Morgen sollte ich - sofern ich Glück hab´ - den lieben Almliterat Sepp Kahn treffen, den ich schon 2016 dank einer ServusTV Produktion kennenlernen durfte. Ich bin gespannt, was sich bei ihm getan hat und v.a. was er denn schriftlich in der Zwischenzeit zu Papier gebracht hat… ABER dazu eben morgen mehr.

2. Etappe Kelchsau - Windautal

Die zweite, ca. 16 Kilometer lange Etappe des KAT Walks führt über schmale Pfade vorbei an Heidelbeer- und Alpenrosenmeere, über den höchsten Punkt - den Lodron - vorbei an der Hütte des berühmten Almliteraten Sepp Kahns bis zum Gasthaus Steinberg.

Sepp Kahns Almhütte​

Wie schon gestern angeteasert, ist mir diese Etappe in der Vorbereitung deswegen schon ins Auge gestochen, weil nach ca. 2/3 des Weges Sepp Kahn seit 29 Jahren abgeschieden von jeglicher Zvilisation über ca. 100 Tage (Juni-September) in der Lärchenbergalm (>300 Jahre alt) seine Gedichte und Geschichten niederschreibt („Waldluft“ ist übrigens sein neuester Roman).

Stefan Voitl - Stefan begleitet mich jeweils einen Tag pro Weitwandertour - und ich hatten Glück und trafen Sepp, bekamen selbstgemachten Lebkuchen von Sepp Kahns Schwiegertochter, Filterkaffee mit frischgemolkener Kuhmilch und wunderschön verzierte Butter vom Almsenner aufgetischt. Dem nicht genug - hat er uns auch noch seine liebsten Gedichte höchstpersönlich vorgetragen.

Almbutter vom Almsenner

Ein Banker sitzt auf einer Bank.

Ein Gesunder wird plötzlich krank.

Ein Musiker bekommt schlechte Noten.

Das sind keine guten Boten.

Ich jedoch, so Ende Mai,

pack zusammen allerlei.

Zieh auf die Alm. Mit Vergnügen.

Lass Sorg und Hektik unten liegen.

Betreue Kühe, Kälber, Ziegen, Sauen,

und kann dabei in den Himmel schauen.

Durch Sepp Kahns Gedanken und Lebensstil beseelt geht’s nur mehr eine gute Stunde Bergab bis zur heutigen Endstation - dem Gasthaus Steinberg. Dannn heißt´s ab unter die Dusche, kurzes Power-Napping, das Tagesgesehen niederschreiben und dann Tiroler Kaspressknödel in meinen Darm befördern. - Weitwanderherz, was willst du mehr?!

3. Etappe Windautal - Aschau

4. Etappe Aschau - Kitzbühel

5. Etappe Kitzbühel - St. Johann in Tirol

6. Etappe St.Johann in Tirol - St.Ulrich

Der Gastein Trail

1. Etappe Dorfgastein - Heinreichalm

Wien. Wir schreiben den 20.6.2019. Es ist 4:15 Uhr. Mein Wecker läutet früher als üblich. Viel zu früh nach meinem Geschmack, aber nachdem ich die Gewissheit habe, dass mich in wenigen Stunden mein geliebtes Gasteinertal erwartet, nehme ich die Mühen sehr gerne in Kauf. Nach einer 4h Zugfahrt - von der ich ca. zwei Stunden geschlafen und die restliche Zeit meditiert habe - steige ich beim Bahnhof Dorfgastein aus und mach´ mich flotten Schrittes auf den Weg Richtung Heinreichenalm.

Traumblick Richtung Hochkönig

Nachdem die Wetterfrösche des Landes einen gewittrigen Nachmittag vorhergesagt haben, wird heute ausnahmsweise mal nicht gebummelt. Der Weg führt vorbei an Kuhweiden, die von fleißig kauenden, wohlgenährten Viechern, saftigem Grün bzw. vielen verschiedenen Blütenarten, die mich an alte Kindheitstage erinnern, die Gegend ausmacht. Durch das viele Mähen und den Stickstoffdünger macht das, so wie’s meine Geschwister und mein Vater einst im Mostviertel gepflegt haben, Muttertags-Ritual „Blumen zu pflücken“ in meinem Heimatwort Weistrach wenig Spaß. Hier scheint die Natur noch in Takt zu sein. Da und dort stehen Mitten auf der Weide wunderschöne Buchenbäume mit einem Bankerl an der Seite. „Was hätten wohl die Buchenbäume und die BankerlN für Liebesgeschichten, spannende Anekdoten von der harten Arbeit am Berg, aber wohl auch vom Krieg zu erzählen“, geistert es mir durch den Kopf.

Heinreichalm, Unterberg 121, 5632 Dorfgastein - Die Hütte von Sieglinde und Franz Fritzenwanker

Ansonsten geistert mir wenig durch den Kopf. - Einzig, dass ich mich schon auf die Hüttenjause freu. Hab ich doch schon auf der Webseite vernommen, dass es selbstgemachte Spezialitäten gibt - wie Leberknödelsuppe, Kaspressknödelsuppe, Käsebrot, Speckbrot, Heinreichalm Brettljausn, heiße Käsekrainer, gebratene Almforelle und einen Bauernkrapfen.

Neben der besten Kaspressknödlsuppn so far, versteckt sich unter dem Käse ein Brot mit Butter.

Nichtdestotrotz gehe ich nach dem Ankommen eine Runde Duschen und gönn mir ein obligatorisches Mittagsschlaferl. Doch das dauert nicht lang, da ich von einem Ziehharmonika spielenden Gast, der diese extra auf die Hütte mitgenommen hat, aufwach! Zügig lauf ich vom Dachboden-Schlafraum die Treppen hinunter und bestell mir bei Silvia (dreiwöchige Aushilfe auf der Heinreichalm) ein Kasbrot und als Vorspeise die wohl mir bis dato beste untergekommene Kaspressknödelsuppn… ach ja und ein Glaserl Quellwasser! Währenddessen ich genüßlich die Suppe schlürfe, erzählen mir die fleißigen Leut´& Hüttenbesitzer Sieglinde und Franz die Geschichte, die in der Hütte steckt und warum es Ihnen so wichtig ist, dass sie ihre Produkte selbst produzieren.

Hippolyt Fritzenwakner, der Vater von Franz, hat 1947 die Heinreichhochalmhütte erbaut.

Nach Fertigtippen des letzten Satzes, beginnt es draußen vorerst zu regnen an, dann immer heftiger zu hageln, blitzen und donnern. Gut, dass ich in der warmen Stube bei Franz sitze, der meint: „Wer Berg geht, ist ein anderer Mensch. Der ist freundlich. In meinen 20 Jahren haben wir nie Komplikationen mit den Menschen hier oben ghabt.“

Merke: Vor jeder Tagestour in den Bergen immer den Wetterbericht checken.

2. Etappe Heinreichalm - Biberalm

Ahhhhhh!!!! So gut und v.a. so lange hab´ ich schon Ewigkeiten nicht mehr geschlafen. Ganze 10 Stunden durfte ich den Kopfpolster drücken. Ich merke, dass die letzten Wochen nicht spurlos an mir vorbeigegangen sind. Da ein Fridays for Future Instagram-Takeover, dort eine Beziehung, die in die Brüche ging, da eine Caritas Pressekonferenz, dort eine 24h-Kooperation, da auch noch ein Vortrag im AKW Zwentendorf, dort der Tod eines Menschen, der mir verdammt nahe stand… umso mehr freu ich mich nun über diese Ein-/Auszeit und, dass ich in einer Gegend unterwegs bin, wo ich zumeist keinen Empfang hab´. Kurz und knapp gesagt: Ich genieße meine Ruah.

Wieviele Pärchen haben hier wohl schon kuschelnd die Aussicht genossen?

Nach einer erholsamen Nacht bei Franz, Sieglinde und Silvia auf der Heinreichalm Hütte und der Verwunderung, dass ich nur 34,50 Euro für Mittagessen, Abendessen, Übernachtung und Frühstück zahle, startet die zweite Etappe mit einem kitschigen Ausblick auf abgeschiedene Kessellandschaften. Die ersten paar Meter führen hoch zur Heinreich-Kapelle, die von Franz erbaut worden ist, um dem Herrgott seinen Dank für die Vergangenheit auszudrücken. Mit jedem Ein- & Ausatmen bzw. jedem Schritt mehr auf dem gemütlichen Waldweg verschwindet der Alltag noch ein Stückchen mehr.

Auch auf der Alm wird gestreikt - Sitzstreik von Gretl Muhberg und ihren Aktivistinnen & Aktivisten.

In Begleitung von Kuhherden gehe ich von Alm zu Alm. Von der Präau Hochalm, Wölfalm, Gröbneralm, Walchalm bis zur Biberalm - meiner heutigen Endstation. Auf diesen gemütlichen 10 Kilometern, 4h Wanderzeit kreuzt man immer wieder Bäche, kleinere Flüsse, die einen erinnern, dass man seine Wanderschuhe unbedingt beim Kachelofen der Biberalm übernachten lassen sollte.

Biberalm - hier lässt´s sich richtig, richtig gut leben.

Rund 14.000 Schritte später gehe ich mit einem wunderschönen Blick ins Tal Richtung Bad Hofgastein und Bad Gastein, der Biberalm Hütte freudestrahlend entgegen. Und auch heute heißt´s wieder: Duschen first, Powernap second und Mittagessen third. - Ja, so lässt’s sich´s wahrlich gut leben…

3. Etappe Biberalm - Hofgasteiner Haus

„Seit´s die E-Bikes gibt, kommt ein neues Zielpublikum zu uns, das es früher nicht in dieser Form gab. - Doch auch sie müssen sich unserem Tempo anpassen," so die Hüttenwirtin der Biberalm, die mit dem Kuh-, Schweine-, Ziegen- & Schafstall alle Hände voll zu tun hat. Im Vergleich zur Heinreichalm Hütte ist die Biberalm Hütte wegen ihrer Lage und der großzügigen Forststraße ein beliebtes Ausflugsziel für viele Touristen - egal ob mit dem E-Bike, zu Fuß bzw. dem Automobil. Auch hier oben auf 1735m wird ein Großteil der Produkte selbst produziert. Korrigiere: Mit Liebe selbst produziert. Und das schmeckt man auch mit jedem Bissen.

Almrausch zur Rechten.

Trotz des leichten Muskelkaters in den Waden, weil ich offensichtlich zu viel das Tanzbein mit der lieben Sennerin Irmi geschwungen habe, bewege ich meinen Gluteus Maximus, nach einer erholsamen Nacht im Zirben-Zimmer, Richtung Hofgasteinerhaus (1950m). An der Westseite des Gasteinertals gehe ich zuerst steil abwärts, vorbei an wunderschönen Almen und Hütten, bevor es stetig steil bergauf geht. Der Weg führt bis zur Baumgrenze durch einen dichten Wald, der in wenigen Wochen vermutlich Schauplatz von einem oder anderem Schwammerljäger sein wird. Aber auch heute ist schon reger Verkehr. Millionen am Waldboden herumwuselnde Ameisen machen selbst am Wochenende keinen Halt vor harter Arbeit. - Wussten Sie, dass Ameisen bis zu das 39,7 Fache vom eigenen Körpergewicht tragen können. - Immer wieder, wie gestern, durchquere ich kleine Bächlein, die mit kleinen liebevollen Brücken die Socken des Wanderers trocken halten sollen.

Als ein Auerhahn plötzlich aus dem Dickicht fliegt, muss ich an alte Tage zurückdenken, wie ich noch bei ServusTV als Praktikant gearbeitet habe. Damals musste ich mir in den Anfängen tonnenweise „Videomaterial aus Gastein" von Birkenhähnen, Gämsen, Steinböcken, Murmeltieren oder Auerhähnen am Bildschirm ansehen. Heute darf ich selbst vor Ort die Gegend erkunden und den Tieren begegnen.

Das Hofgasteinerhaus von den Naturfreunden - gmiatlich zum Verweilen & Gutes für den Gaumen.

Von einem Plateau zum nächsten Plateau geht es vorbei an, so glaube ich, Murmeltier-Löchern, blauem Enzian, Omas Lieblingsblumen, den Dotterblumen und Almrausch-Blüten, die sich größtenteils noch im Frühlingsmodus befinden. Der Übergang von unberührter Natur und dem Winterskigebiet/Erlebnisberg (Klettersteigen, Kinderspielplatz, diverse Gipfelvarianten, etc.) ist hart. Die Schlossalm ist auch im Sommer mit den Bergbahnen erreichbar, weshalb ich mir den kurzen Aufstieg zum Gipfelkreuz der Hirschkarspitze erspare, da dort einige mit schlechtem Schuhwerk im Gänsemarsch, teilweise auf allen Vieren, hinaufkrabbeln. Es erinnert mich wieder an die Aussage der Hüttenwirtin von der Biberalm. Ein bissl leid sehen tu ich mich schon, soll man von dort oben doch das Gasteinertal in seiner vollen Länge/Pracht zu Gesicht bekommen.

"Auf da Alm gibt's ka Sind, weil ka Pforrer aufikimmt!" Franz von der Heinreichalm Hütte

Beim Hofgasteinerhaus der Naturfreunde angekommen, denke ich mir, bei zwei hervorragenden, selbst gemachten Spinatknödeln und einem grandiosen Kaiserschmarrn zur Draufgabe, einerseits: „Gut, dass ich heute ausnahmsweise nicht gebummelt habe bzw. ist zu hoffen, dass das Wetter morgen wieder ein Bummeln zulässt, ich bin ja nicht zum Wettlaufen, sondern zum Weitwandern/Weitbummeln hier.“ Und andererseits, während ich beide Mahlzeiten genüsslichst verschlinge: „Auf da Oim da gibt’s ja Sinnd, weil ka Pforrer aufikimmt.“ Ein mir hängengebliebener Spruch vom lieben Franz von der Heinreichalm Hütte. - Liebe Grüße an dieser Stelle!

4. Etappe Hofgasteiner Haus - Angertal

Bitte entschuldigen Sie vielmals, dass ich heute keinen ausführlichen Eintrag hinterlasse, aber heute ist ja Tag des Herren & da muss man(n) rasten.

5. Etappe Angertal - Sportgastein

6. Etappe Sportgastein - Bad Hofgastein

Steiermark - vom Gletscher zum Wein/Nordroute

1. Etappe Bad Waltersdorf - Fürstenfeld

Nach einigen Saunaaufgüssen und kulinarischen Gaumenfreuden nach der TSM (Traditionell Steirische Medizin) am Muttertag in der Therme Bad Waltersdorf ist meine persönliche Weitwandersaison offiziell eröffnet. - Endlich! Sie müssen wissen, dass ich kein großer Freund von Abwarten und Teetrinken oder gar Vorbereitungsphasen bin - ich mach lieber bzw. geh lieber. Bereits beim Reinschlüpfen in meine Wanderschuhe kommen mir kreative Gehdanken in den Sinn, die mir eben nur beim Wandern einen Besuch abstatten.

Sapperlott! Was war das denn heut´ für ein Sau-, Hunde- & Weinbergschneckenwetter?!

Das Wandern ist für mich eine Kreativwerkstätte, die mir hilft a bissl Abstand vom, so gern ich Wien auch habe, denaturierten städtischen Alltag gibt. Die leuchtend grünen Frühlingswälder und Weinterrassen, die kaiserlichblühenden Kastanienalleen… da kann meinem Wandergemüt das bitterkalte Wetter und der Schnürlregen nichts anhaben. - Sie werden sich denken: „Naja, wenn man die Gewissheit hat, dass alle paar Kilometer eine Therme (Therme Bad Waltersdorf, Spa Resort Styria, Rogner Therme Bad Blumau, etc.) auffindbar ist, dann hat man leicht reden.“ - Wie recht Sie haben. Am liebsten würde ich meinem Traumjob als „Hotel-Tester“ nachgehen und jede einzelne Sauna des Thermen & Vulkanlandes auf Herz und Nieren und Schweißdrüsen prüfen… aber ich bin ja leider nicht aus Jux und Tollerei hier, sondern um zu arbeiten!

So. Ich werde mich jetzt noch auf einen Sprung in die Thermenhauptstadt Fürstenfeld begeben, ein steirisches Kürbiskernöl besorgen, um das nachzuholen, das ich Rabensohn gestern geschwänzt habe, nämlich meiner Mutter ein Muttertagsgeschenk zukommen zulassen.

2. Etappe Fürstenfeld - Unterlamm

Tageshöchstwerte 9 Grad, bewölkt und ziemlich windig. Selbstverständlich ist mir ein fetzblauer Himmel + 20 Grad im Schatten lieber, aber als LEIDENschaftlicher Allergiker sehe ich auch meine Vorteile - vielmehr tut´s mir ein bisserl leid, dass die fesche Nordroute nicht so sehr zur Geltung kommt, denn ich bin seit Beginn an ein großer Fan von den vielen Möglichkeiten, die der Weg so zu bieten hat, die fesche Landschaft und das ist bei solchen Bedingungen eben schwer rüberzubringen. Ich könnt’s mir gut vorstellen, mit einer größeren Gruppe an Freunden abwechselnd wandern, saunieren und einen Abstecher zum Heurigen zu machen - das wär´ definitiv schön (& vermutlich auch) anstrengend, aber definitiv höchst unterhaltsam.

Terpene einatmen im Stadtwald von Fürstenfeld.

Wie´s der Zufall so will, treffe ich nach einem schönen ca. 8 Kilometer Marsch durch den Stadtwald von Fürstenfeld, über den Ort Dietersdorf den Juniorchef bzw. Heurigenwirt vom „Leopold“. Begeistert erzählt er mir wie sich’s in der „steirischen Toskana“ großartig Radfahren, wandern, golfen, Kernöl verkosten, fischen, etc. lässt. „Die vielen Buschenschenken laden aber auch wirklich schön zum Pausieren ein und a bisserl Trinken gehört auch dazu!“ Nachdem es zu diesem Zeitpunkt 10:30 Uhr ist und ich ja im Dienst bin, gibt’s kein Glaserl Weißwein für mich… zumindest vorläufig. Oder wie der römische Geschichtenschreiber Titus Livius einst gesagt hat: „Nondum omnium dierum solem occidisse“ (Übersetzung: „Es ist noch nicht aller Tage Abend.“).

Kurz vor Unterlamm

Das Ziel meiner heutigen Etappe ist Unterlamm - ein inmitten lieblicher hügeliger Landschaft eingebetteter Ort. Am Weg dorthin stoße ich kurz vor der Therme Loipersdorf auf ein Wander- Pärchen, das es offensichtlich eilig hat, mich grüßt und überholt.

In Unterlamm angekommen geht’s für mich nach einem Abstecher zur Lourdes- Mariengrotte, nochmals ein Stückerl entlang der Hauptstraße zu meiner heutigen Unterkunft - dem Drei Mäderl Haus. Dort angekommen heißt´s: Duschen, essen, Power- Nap und diesen Tageseintrag verfassen.

So. Feierabend für heute. Ich werde nun das tun, was mir der Hr. Juniorchef vom „Leopold“ empfohlen hat - auf ein oder vielleicht zwei Glaserl und eine zünftige Jausn zum Buschenschank „Kapper“ gehen, der soll angeblich richtig, richtig gut sein... ob dem tatsächlich so ist, werde ich morgen ausführlichst berichten.

3. Etappe Unterlamm - Riegersburg

Heute ist mir etwas passiert, das zu 90% jedem passiert, wenn er sich in der Steiermark über sieben Tage lang aufhält - man patzt sich mit Öl an. Köstlicherweise habe ich meine niegelnagelneue Regenjacke nicht mit steirischem Kernöl, sondern mit dem Rote Beete- und Olivenölsud angekleckert. Gut, dass die Jacke imprägniert war und somit keine nachhaltigen Spuren hinterlassen hat. Soviel dazu.

Das Essen bei der Buschenschank Kapper war gestern übrigens hervorragend - großzügige, lecker gestaltete Portionen lassen Einheimische und Touristen mit Insiderwissen hierher pilgern.

Apropos "in Strömen". Heute hat’s den gesamten Tag nicht in Strömen, aber leider wieder nieselnd durchgehend geregnet. Nachdem sich eine Seelenverwandte extra die Mühe gemacht hat mir eine „Wanderboi- Spotify-Playlist“ zu erstellen, ein liebes Bauernpärchen es gut mit mir gemeint hat und darauf vehement bestanden hat mir einen gelben Regenschirm, der übrigens hervorragend zu meinem Rucksackregenschutz passt, mit der Aufschrift „Friseur - Ihr Friseur macht sie rundum schön" am Weg mitzugeben, sind mir die Regentropfen gar nicht mehr aufgefallen.

Der größte Essigfasskeller Österreichs gehört der Familie Gölles

Vielmehr habe ich mit meinem Zeitmanagement ein wenig ein Problem. Gibt´s doch so viel hier in der Gegend zu sehen. Sowohl beim Malerwinkl hätte ich mich beinahe verzettelt, als auch bei Gölles - einer Manufaktur für Brand und Feinen Essig. Beim Malerwinkl geht’s in allerlei Hinsicht um zwei Sachen: Essen & Kunst. Die Chefin des Hauses Gabriele Troißinger hat mir begeistert die Kunstwerke Ihres Mannes Peter und die erste Sojasauce ohne Soja (aus Lupinen) gezeigt und, und, und… leider war ich nur auf einen Sprung zu Gast, weil ich schon geahnt habe, dass es bei der Manufaktur Gölles (+5 km) mit einem kleinen Umweg und einer geführten Erlebnistour durch den größten Essigfasskeller Österreichs, die Essigverkostungsstationen und den fotogenen Schnapskeller, etc. a bisserl länger werden könnt´ als sonst. Und so kam es dann auch. Da ein Löfferl Essig, dort ein kurzes Filmchen, dann noch ein Foto und zum Abschluss ein Plauscherl mit den Mitarbeitern des erfolgreichen Unternehmens, das jährlich 30.000 (!!!) Besucher verzeichnet.

Meine hervorragende Vorspeise im Genusshotel Riegersburg

Ja, Rund um die Riegersburg gibt’s eine Vielzahl an Möglichkeiten, um seiner Seele und um seinem Gaumen Gutes zu tun können. Im Genusshotel, in dem ich heute den Polster drücken darf, fand dies in Form eines 4 Gang- Menüs statt und morgen werde ich das nachholen, für das heute leider keine Zeit mehr war - zumindest ein bisserl länger schlafen und den einen oder anderen Saunaaufguss mir gönnen. Wenn ich schon im Thermen- & Vulkanland mich aufhalte, dann muss ich das doch auch nützen, oder?! - Eben!

In diesem Sinne: Gute Nacht!

4. Etappe Riegersburg - Fehring

PFLICHT-SCHREIB-PAUSE

5. Etappe Fehring - Bad Gleichenberg

Heute war es endlich soweit - strahlender Sonnenschein! Nicht nur das hat mich hoch erfreut, sondern auch die Tatsache, dass gestern Abend Martin von Bergwelten als Wanderbegleiter aufgetaucht ist. So sehr ich das Alleinsein beim Weitwandern genieße, umso mehr weiß ich dann auch wieder den Dialog, das Teilen von schönen Momenten bzw. das gemeinsame Schmäh fian zu schätzen.

Ausblick vom Schloss Kapfenstein

Nachdem mich schon einige via Instagram gefragt haben, warum sich die Gegend, die ich durchwandern darf, steirisches Vulkanland nennt - nun das leitet sich von Vulkanresten (vor ca. 17 Millionen Jahren, aus einer jüngeren Periode des Vulkanisumus & vor ca. 2 Millionen Jahren) ab, die in der Region heute noch als Hügel sichtbar sind. Gleich zum Start stoßen wir Beide, Martin und ich, auf einen zwei Millionen Jahre alten Vulkankegel und eine nett geschmückte Waldkapelle am Rand von Fehring. Der bekannteste „Vulkanhügel“ in der Region ist der Gleichenberger Kogel.

Ein ergiebiges Festmahl mit Traumblick Richtung Riegersburg beim Buschenschank Bernhart

Zur Feier des Tages haben Martin und ich, nach beenden der kurzen Etappe, einen kleinen Abstecher zur Riegersburg gemacht und dort die drei sehr, sehr sehenswerten Museen (Hexenmuseum, Sagenhafte Riegersburg - Legendäre Frauen“ & Waffenmuseum) besucht. Die 19 Euro Eintritt (inklusive Auf- & Abstieg mit der Bahn) ist dieser Besuch allemal wert. Allemal wert war das „Auftanken“ in der Buschenschank „Bernhart“ mit einer Veggie-, Käse- & Fleischplatte gleichermaßen. Spätestens beim 4- Gang- Menü im Thermenhotel Emmaquelle in Bad Gleichenberg - meiner heutigen Unterkunft - war klar, dass ich genug Kalorien aufgenommen habe - trifft sich gut, denn morgen steht die vorletzte und gleichzeitig anspruchsvollste Etappe mit 20 km und 586 hm an… doch nachdem ich heute nicht mehr dazugekommen bin, werde ich morgen das nachholen, das man in Bad Gleichenberg auf alle Fälle tun sollte und ich die letzten Tage viel zu sehr vernachlässigt habe - Richtig! - saunieren gehen!

Hier - im Thermenhotel Emmaquelle - lässt's sich schlafen.

6. Etappe Bad Gleichenberg - Klöch

HC Strache musste und ich durfte… gehen! Seit gestern Abend hat mich die Ibiza- Affäre in den Bann gezogen, weshalb ich heute das Thermenhotel Emmaquelle später als geplant, nämlich erst um 12:30 Uhr, verlassen bzw. mir einen Großteil der heutigen Etappe die Live-Übertragung des ORFs online angehört habe. - Das ist ein gröberer Verstoß gegen die „Ernst- Prinzipien“ beim Wandern, aber nachdem ich diesen Tag der Regierungsauflösung sehnsüchtig erhofft habe, konnte ich mir dies nicht entgehen lassen.

Die heutige Tour vergeht wie im Flug. Die facettenreiche Landschaft lässt einem die Zeit vergessen. Gleich nach dem Start in Bad Gleichenberg geht’s kontinuierlich bergauf, später am 786-er Weg Richtung Stradner Kogel gehe ich den dichten Wald entlang, der an diesem Frühlingstag einen angenehmen Wegbegleiter darstellt. Stets hat man ein wunderschönes Panorama links oder rechts auf die umliegenden Weingärten und die weitläufige Hügellandschaft im Herzen des Vulkanlandes.

Nachdem eine Veranstaltung kurz vor Etappenende bei der Burgruine Klöch stattfand, habe ich die Gelegenheit nicht nützen können, um die Aussicht vom Turm aus zu genießen. Der Aussichtsturm der Klöcher Burgruine (1998 renoviert) bietet einen Ausblick auf das angrenzende Ungarn und Slowenien. Vielleicht kann ich ja morgen die Gunst der Stunde nützen?! Ist sie doch nicht sooo weit von meiner heutigen Unterkunft „Domittner“ entfernt. Des weiteren wird die Burgruine regelmäßig für Kulturveranstaltungen, wie etwa Theateraufführungen, Konzerte oder Lesungen genutzt.

So. Mein innerer Gesundheitsminister und meine Schlafministerin sagen mir auch eins: „Geh schlafen!“

Schad´, gäb´s doch gerade heute so viel zu feiern - das schöne Wanderwetter, die wunderbare Wanderstrecke, das gute Essen und das Abschied-Nehmen von Hr. Gudenus und HC Strache...

7. Etappe Klöch - Bad Radkersburg

Von Klöch, eines der bedeutendsten Weinbauorten im Thermen- & Vulkanland, bis Bad Radkersburg, das wiederum zu den bedeutendsten Thermenorten im Alpenraum gehört, verläuft meine letzte und gleichzeitig kürzeste Etappe des Teilabschnittes der Nordroute vom Gletscher bis zum Wein, die ich die letzten Tage genießen hab dürfen.

Heute in einer Woche finden die Europa-Wahlen statt, insofern ist das Wandern an der Staatsgrenze zu Slowenien etwas ganz besonderes. Heruntergekommene Grenzhäuschen & Grenzschilder erinnern an alte Tage. Rund 3 Kilometer vor Radkersburg befindet sich eine entzückende, verschlafene Ortschaft namens Goritz. Von dort geht’s auf einem schmalen Fußgänger & Radweg vorbei an Feldern und einem Friedhof vorbei Richtung Zentrum. Durch den schönen Anblick und das Betreten des Pflasters der Altstadt von Radkersburg und die engen romantischen Gassen und den schönen Stadtplatz und die Arkadenhöfe und, und, und… vergesse ich komplett, dass meine Reise ein Ende nimmt.

Ja, somit ist der erste Streich von 8 Weitwanderwegen absolviert. Allerhöchste Zeit für ein kurzes Schlussfazit: Obwohl das Wetter nicht sooo mitgespielt hat, war‘s a Hetz - nein, ein Genuss! Ein Genuss wegen der vielen Buschenschanken, dessen Betreiber auf qualitative Produkte aus der Region setzen bzw. weil die Steirer, typisch steirisch, gmiatliche Leute sind und weil die hügelige Landschaft genau das Richtige zum Einstieg meiner Weitwandersaison war. Kurz zusammengefasst empfehle ich den Genussspechten unter uns diesen Weitwanderweg, die gerne bummeln gehen, zwischendurch ein Glaserl Weißburgunder mit einer zünftigen Brettljausen beim Heurigen konsumieren und am Abend eine Runde saunieren gehen wollen. Hier geht’s weder um sportliche Höchstleistungen, noch darum, möglichst schnell von A nach B zu gelangen. - Nein, bei diesem Weitwanderweg wird GENUSS groß geschrieben.

Vorarlberg - Lechweg - von der Quelle bis zum Wasserfall

1. Etappe Formarinsee - Steinbockdenkmal

2. Etappe Lech am Arlberg - Lechleiten

3. Etappe Lechleiten - Holzgau

4. Etappe Holzgau - Elbigenalp

5. Etappe Elbigenalp - Stanzach

6. Etappe Stanzach - Wängle

7. Etappe Wängle - Füssen - Lechfall

Juli 2017 / Zu Fuß von Wien nach Marrakesch / Arlbergpass / Im Windschatten von Gregor Sieböck

Südtirol - Dolomiten Höhenweg 3

1. Etappe Toblach/ Niederdorf - Plätzwiese

2. Etappe Plätzwiese - Rifugio Bosi

3. Etappe Rifugio Bosi - Rifugio Vandelli

4. Etappe Rifugio Vandelli - Rifugio San Marco

5. Etappe Rifugio San Marco - Rifugio Venezia

6. Etappe Rifugio Venezia - Rifugio Dolomites

7. Etappe Rifugio Dolomites - Rifugio Bosconero

8. Etappe Rifugio Bosconero - Bivacco Tovanella

9. Etappe Bivacco Tovanella - Longarone

Bayern Karwendel- Durchquerung

1. Etappe Mittenwald - Hochlandhütte

2. Etappe Hochlandhütte - Karwendelhaus

3. Etappe Karwendelhaus - Karwendelhaus

4. Etappe Karwendelhaus - Falkenhütte

5. Etappe Falkenhütte - Lamsenjochhütte

6. Etappe Lamsenjochhütte - Pertisau am Achensee

Steiermark - Dachstein Rundwanderweg

1. Etappe Gosausee - Hofpürglhütte

2. Etappe Hofpürglhütte - Dachstein Südwandhütte

3. Etappe Dachstein Südwandhütte - Guttenberghaus

4. Etappe Guttenberghaus - Steinerhütte

5. Etappe Steinerhütte - Steinitzenalm

6. Etappe Steinitzenalm - Hallstatt

7. Etappe Hallstatt - Bad Goisern

8. Etappe Bad Goisern - Gosau

Osttirol - Weitwandern auf dem Aussichtsbalkon der ALPEN

1. Etappe Hopfgarten/Defereggen - St.Veit

2. Etappe St.Veit - St.Jakob

3. Etappe St.Jakob - St.Jakob Maria Hilf

4. Etappe St.Jakob Maria Hilf - Antholzer See

5. Etappe Antholzer See - Antholz- Mittertal

6. Etappe Antholz- Mittertal - Niederrasen

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